Am 30. Juli war der vom Global Footprint Network berechnete World Overshoot Day, der Tag, an dem wir als Menschheit alle Ressourcen verbraucht haben, die uns für ein Jahr zustehen. Ab dem Zeitpunkt leben wir sozusagen auf Kosten zukünftiger Generationen.
Auch wenn solche Berechnungsweisen immer ein wenig spekulativ sind, ist es ein guter Anlass darüber nachzudenken, dass wir auf einem begrenzten Planeten leben. Vor den 1970er-Jahren gab es noch keinen „Overshoot“, das zu erinnern kann auch Sinn machen, waren doch die 1970er Jahre noch eine Zeit der positiven Zukunftshoffnungen, eine Zeit, in der es uns in Europa gut gegangen ist. Natürlich, im globalen Süden hungerten mehr Menschen als heute. Aber es war nicht die „Entwicklung“ des Südens, die den großen Ressourcenverbrauch verursacht hat, sondern die rasante Weiterentwicklung der Industrieländer, und hier vor allem eines Teiles der reichsten Länder und Menschen. Erst dieser rasant zunehmende Ressourcenverbrauch machte uns langsam bewusst, dass wir auf Kosten anderer Menschen, vor allem aber auf Kosten der Natur, also unserer Lebensgrundlagen, lebten. In den 1990er Jahren lag der Overshoot Day im Dezember, noch Anfang der 2000er Jahre Anfang November. Seither hat sich dieser Zeitpunkt rasant verschoben, heute würden wir 1,73 Erden brauchen, wobei sich auch dies ungleich verteilt. Während die USA mehr als fünf Erden für ihren Lebensstil brauchen würden, sind es für Deutschland 3, und selbst für das inzwischen doch relativ hoch entwickelten Indien bloß 0.8.
Unter diesem Eindruck begannen Wissenschaftler*innen sich für die „Planetaren Grenzen“ zu interessieren. Sie definierten neun planetare Grenzen, und untersuchen in einem jährlichen „Planetary Health Check“ den Zustand deren Einhaltung, bzw Überschreitung. Der Planetary Health Check 2025 zeigte, dass wir von diesen neun bereits sechs überschritten hatten, im Oktober des selben Jahres kam mit der Übersäuerung der Ozeane die siebente hinzu. Eine Zusammenfassung der Studie kann man hier als pdf herunterladen.

Die Wissenschaftler*innen rufen dazu auf, unseren Heimatplaneten wieder innerhalb der sicheren Grenzen zurück zu bringen, was meiner Meinung nach so einfach nicht sein dürfte. Die Klimaerwärmung etwa wird nicht zurückgehen, zumindest nicht innerhalb der nächsten Jahrzehnte. Natürlich ist trotzdem rasches Handeln angesagt. Das Footprint Network bietet einen Überblick über individuelle, lokale und regionale Handlungsmöglichkeiten an, von denen einige aus meiner Sicht allerdings durchaus fragwürdig sind …
Andere Lösungesvorschläge scheint es in diesem Buch zu geben, das im Oktober im oekom Verlag erscheinen soll:
Drew Pendergrass, Troy Vettese: Die Halbe Erde. Ein ökosozialistischer Plan zur Rettung von Klima, Artenvielfalt und Demokratie