Der Bedarf an Datenzentren für die Nutzung und Weiterentwicklung der generativen Künstlichen Intelligenz, vor allem der „Large Language Models“, wächst rasant. Dies deshalb, weil jede Nutzung der Programme die zur Verfügung stehende Datenmenge erhöht. Und weil diese im Internet zur Verfügung stehende Datenmenge täglich wächst, mit exponenzieller Geschwindigkeit. Schätzungen ergeben, dass mehr als die Hälfte aller Texte, die heute im Internet landen, bereits von KI verfasst sind. Weil deren Wahrheitsgehalt fragwürdig ist, sie aber ebenfalls wieder in die Datenbasis der KI eingehen, wird auch deren Qualität eher schlechter als besser, aber das soll hier nicht das Thema sein. Das Problem ist eben dieses rasante Wachstum, das ein entsprechendes Wachstum der Zahl der Speicherzentren erfordert.
Diese Datenspeicher haben massive Auswirkungen auf die Umwelt und auch auf die Lebensqualität der Menschen. Das beginnt mit den großen Flächen, die versiegelt werden, häufig im Grünland. Sie erwärmen ihre Umgebung um mehrere Grade, sie brauchen enorme Mengen an Wasser für die Kühlung. Beides Aspekte, die angesichts des letzten Hitze- und Dürre-Sommers Anlass zur Besorgnis geben. Und sie verbrauchen große Mengen an Energie, die alle Versuche der Energiewende hin zu Erneuerbaren zum Scheitern verurteilen.
In den USA werden neue Atomkraftwerke geplant, nur zur Versorgung von Datenzentren. Hauptsächlich sind es aber neu gebaute Gaskraftwerke, die einen Großteil, des von ihnen erzeugten Stroms in Datenzentren pumpen. Amazon plant in Texas ein Gaskraftwerk, das zur größten Quelle der Luftverschmutzung in den USA werden dürfte. Diese Gaskraftwerke beschleunigen nicht nur die Klimaerwärmung, sondern rufen auch gesundheitliche Probleme hervor. Und sie stoßen zunehmend auf Widerstand.
Die „National Association for the Advancement of Colored People“ führt einen Prozess gegen xAI betriebenes Gaskraftwerk in Mississippi. Nun regt sich Widerstand aus den gleichen Gründen gegen Amazon in Texas. In den USA scheint sich der Widerstand gegen Datenzentren zu einer richtigen Bewegung zu entwickeln, wobei er sich zunehmend auch gegen KI grundsätzlich richtet, berichtet die Plattform golem.de. Selbst republikanische Politiker, wie Mike Rogers, der sich für den Senatssitz für Michigan bewirbt, plädieren für ein Moratorium.
In Europa ist die Zivilgesellschaft noch vorsichtiger, Protest erhebt sich nur zögerlich. Man erhofft sich Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Datensouveränität, Unternehmen gelingt es noch, ihre Datenzentren als nachhaltig und soger „grün“ zu framen. Umfragen zeigten aber, dass eine Mehrheit der Menschen kritisch eingestellt ist, und langsam formieren sich auch hier Widerstandsinitiativen, zum Beispiel gegen das Datenzentrum in Kronstorf in Oberösterreich. Vor dessen Baustelle haben am 10. August Aktivist*innen der Initiative „Rechenzentren nein Danke“ gegen das Rechenzentrum protestiert, eine Initiative, an der auch attac beteiligt ist. In diesem Kommentar im Standard erklärt Hanna Braun von attac die EU Strategie zu Rechenzentren (94 geplante sogenannte „Hyperscaler“ in der EU in den kommenden Jahren!), was die Probleme an dieser Strategie sind, und warum sie, neben den schädlichen Auswirkungen vor Ort, wenig dazu beitragen, die Macht der US-Konzerne zu brechen.
In Deutschland beschäftigt sich AlgorithmWatch kritisch mit dem Thema und hat einen Leitfaden veröffentlicht, wie man sich gegen Datenzentren wehrt.
